„Seit einigen Jahren arbeite ich als Bürokraft in einer kleinen Firma. Ich habe tolle Kollegen, die mich wertschätzen und auch einen prima Chef, sodass mein Arbeitsumfeld eigentlich keinen Anlass geben würde, unzufrieden zu sein. Auch meine Arbeit hat mir immer Spaß gemacht, das Gehalt stimmt und selbst der Arbeitsweg ist gut zu bewältigen – die äußeren Umstände stimmen also alle. Trotzdem merke ich, dass ich zunehmend unzufriedener werde und mir der Job immer weniger Freude macht. Oft denke ich, ich würde gerne mal was ganz anderes, kreativeres machen. Ich hätte zum Beispiel Spaß an Floristik, aber ich kann doch nicht mit Mitte 40 noch mal von vorne anfangen und meine sichere Position aufgeben? Wer weiß, was dann kommt, und ob ich wirklich noch was Besseres finde? Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich meinen jetzigen Job noch weitere 20 Jahre machen soll, kriege ich die Krise!“

 

 

Sie sprechen mit Ihrem Anliegen ein Dilemma an, in dem sich viele Menschen in der Lebensmitte befinden: Sie haben „eigentlich“ einen guten Job, bei dem alles stimmt und der auch ihren Fähigkeiten entspricht und ihnen Freude macht. Trotzdem verspüren sie zunehmend ein Gefühl der Unzufriedenheit, das viele Fragen auslöst und zu großer Verunsicherung führt. Viele Menschen denken dann sogar, sie hätten den völlig falschen Beruf ergriffen und nun sei „alles zu spät“. Dabei ist es oft einfach nur so, dass sich eine andere Seite ihrer Persönlichkeit meldet, die einfach beachtet und gelebt werden will.

 

Nehmen Sie Ihre unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile wahr!

Wir alle haben unterschiedliche Persönlichkeitsanteile in uns, die wir mehr oder weniger leben (können). Sie verbringen seit Jahren den größten Teil des Tages im Büro – da gibt es oft wenig Raum für Kreativität. Wenn Sie aber starke kreative Persönlichkeitsanteile haben und diesen eventuell auch im Privatleben zu wenig Raum geben, kommt es zu einer „Unterversorgung“, die sich über die Jahre unter Umständen zu einem regelrechten Mangel entwickeln kann. Genauso, wie eine Mangelernährung Folgen und Konsequenzen für unsere Gesundheit hat, hat auch die Unterversorgung bestimmter Persönlichkeitsanteile Folgen: Wir werden zunehmend unzufrieden und unausgeglichen und verlieren unsere innere Mitte und unsere Lebens-Balance. Wenn wir unseren Körper mit allem versorgen, was er braucht, damit es ihm gut geht, sollten wir das gleiche auch mit unserer Persönlichkeit tun. Das bedeutet, dass wir all unsere Persönlichkeitsanteile wahrnehmen und kennenlernen. Nur so können wir dafür Sorge tragen, dass sie alles bekommen, was sie brauchen, damit sie sich entwickeln und entfalten können.

Welche Frage bewegt Sie?

Sie haben ein seelsorgerliches Anliegen? Dann schreiben Sie uns! Gerne nehmen wir Ihre Frage auf und beantworten Sie in unserer Rubrik „Lebensfragen“. Dazu wird natürlich sowohl Ihr Name anonymisiert als auch sämtliche weiteren Daten oder Erkennungsmerkmale zum Schutz Ihrer Privatsphäre unkenntlich gemacht.

 

Schicken Sie uns Ihre Frage an: lebensfragen@mindo-magazin.de

Leben Sie Ihre kreative Seite!

Wenn Ihnen der Job im Grunde Spaß macht, Ihnen aber dort die nötige Kreativität fehlt, versuchen Sie doch zunächst einmal, mehr kreative Elemente in Ihr Privatleben einzubauen. Wenn Sie Spaß an Floristik haben, besuchen Sie einen entsprechenden Kurs am Wochenende oder fragen in einem Blumengeschäft nach Praktikumstagen, an denen Sie sich ausprobieren können. Hilfreich könnte auch das Stöbern auf Webseiten wie der Volkshochschule o. ä. sein. Hier werden viele unterschiedliche Kurse angeboten, die Kreativität fördern. Was spricht Sie persönlich davon an? Probieren Sie es doch einfach einmal aus!

 

Und wenn das alles nicht reicht?

Sollte das alles nichts an Ihrer beruflichen Situation ändern und Sie noch immer unzufrieden sein, müssen Sie für sich abwägen, wie sehr Sie diese Unzufriedenheit belastet und beeinträchtigt. Wollen und können Sie wirklich die nächsten 20 Jahre damit leben, oder lohnt es sich vielleicht doch, eine weitere Ausbildung in einem kreativeren Beruf zu absolvieren? Vielleicht wäre ein Coaching hier hilfreich oder Sie lassen sich einmal beim Arbeitsamt beraten, welche Möglichkeiten der Weiterbildung es geben könnte, die interessant wären. Bleiben Sie auf jeden Fall auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, an dem Sie zufrieden sind!

Inge Frantzen

ist systemische Lebensberaterin (IACP) und arbeitet als Redakteurin bei MINDO.

E-Mail: inge.frantzen@mindo-magazin.de