MINDO: Frau Büchle, oder sollte ich besser „Frau Walker“ sagen: Vor kurzem ist Ihr mittlerweile fünfter Roman als „Noa C. Walker“ erschienen. Was hat Sie dazu bewogen, neben historischen Romanen nun auch Romane mit seelsorgerlichem Inhalt zu schreiben?

 

ELISABETH BÜCHLE: Ich muss zugeben, dass ich nie daran gedacht habe, Romane zu schreiben, die einmal das Label „seelsorgerlich“ bekommen könnten. Normalerweise wünschen sich die Verlage von den Autoren, dass sie den aktuellen Trend aufgreifen und darüber eine wirklich einzigartige Geschichte schreiben. Ich habe noch nie versucht, diesen Widerspruch in sich zu entschlüsseln, sondern schreibe lieber über das, was mich bewegt und womit ich selbst mich befassen muss oder manchmal auch mein näheres Umfeld. So entstand auch der erste Noa C. Walker-Roman, in dem ich den Krebstod meiner Mutter und die vielen Krebsdiagnosen in unserem Bekanntenkreis zu verarbeiten versucht habe. Dabei war es mir ein Anliegen, einen hoffnungsfrohen Roman zu schreiben, der durchaus in das Genre Unterhaltungsliteratur passt. Eine Gratwanderung, die mir offenbar gelungen ist.

 

 

Wie waren denn die Reaktionen auf den ersten seelsorgerlichen Roman?

 

Nach dem Erscheinen von „Du, ich und die Farben des Lebens“ überraschten mich nicht nur die hohen Verkaufszahlen, sondern auch die vielen emotionalen und zugleich wunderschönen Rückmeldungen von Lesern, die mir mitteilten, wie sehr ihnen mein Roman in Zeiten des Verlustes und der Trauer helfe. Dies ermutigte mich, auch weitere schwierige Themen anzupacken, wie zerplatzte Lebensträume, Angststörungen oder, in meinem letzten Buch, der plötzliche Verlust eines geliebten Menschen. Das sind alles Themen, mit denen nicht nur wir als Familie uns auseinandersetzen müssen, sondern sehr viele andere Menschen ebenfalls.

 

 

Aber warum ein Pseudonym für diese zweite Linie? Hätten Sie diese Bücher nicht auch als Elisabeth Büchle schreiben können?

 

Zu dem Pseudonym Noa C. Walker kam es aus verschiedenen Gründen. Zum einen, weil diese Romane sich von meinen üblichen historischen oder zeitgenössischen Büchern unterscheiden, und dieser Sub-Genrewechsel sollte dadurch deutlich gemacht werden. Elisabeth Büchle-Leser sind ja – mit Ausnahme der Winterreihe – eher Spannungs- und Abenteuerromane gewohnt. Noa C. Walker kommt dagegen eher leise und behutsam daher. Zum anderen waren Auslandsübersetzungen in Aussicht gestellt und da wird es mit den Ü-Tüpfelchen im Namen dann doch schwierig.

 

 

Woher stammen die fachlichen Infos zu den unterschiedlichen Problematiken, die Sie immer wieder ins Buch einweben? Haben Sie selbst eine therapeutische Ausbildung oder berät Sie da jemand?

 

Nein, ich habe keine Ausbildung in diese Richtung und ich möchte auch meine Romane nicht als medizinische oder therapeutische Fachliteratur verstanden wissen. Aber ich bin ein sehr fantasievoller Mensch, der sich wohl auch noch leicht in andere Menschen hineinversetzen kann. Allein einen Bericht darüber zu hören, was jemandem zugestoßen ist, genügt für mich, damit ich annähend nachempfinden kann, was diese Person gefühlt haben „könnte“ und welche Gedanken ihr wohl durch den Kopf gehen „könnten“. Oft denke ich dann ganz automatisch darüber nach, wie dieser Mensch damit nun umgeht, welche Überlebensstrategien er entwickelt, was ihm vielleicht helfen könnte.

Natürlich sind das nur Annahmen, zumal jeder Mensch ein so einzigartiges Individuum ist, dass wir niemals die Reaktion auf ein Erlebnis oder ein zugefügtes Leid eins zu eins auf eine andere Person übertragen dürfen. Dennoch versuche ich auf unterhaltsame Weise in den Romanen kleine Impulse zum Nachdenken zu setzen, den Blick zurück auf das Schöne, Hoffnungsvolle, auf das Lebenswerte zu lenken. Offenbar genügt das schon, um die Leser zu berühren.

Ich bin ein sehr fantasievoller Mensch, der sich wohl auch noch leicht in andere Menschen hineinversetzen kann. Allein einen Bericht darüber zu hören, was jemandem zugestoßen ist, genügt für mich, damit ich annähend nachempfinden kann, was diese Person gefühlt haben könnte.

Einige der aufgegriffenen Themen und Erlebnisse sind auch uns als Familie nicht fremd. Hier kann ich also aus erster Hand erzählen, oder die betreffende Person bitten, die Szenen zu lesen und mir zu sagen, wie sie darin empfunden und reagiert hätte. So entstehen sehr authentische Texte. Bei dem Buch „Der Tanz unseres Lebens“ haben mir die Mutter und die ältere Schwester eines Mädchens mit Down-Syndrom geholfen, meine Romanfigur zu beschreiben, bei manchen Diagnosen und Therapiemöglichkeiten habe ich eine befreundete Ärztin um Unterstützung gebeten.

 

 

Neben dem Wunsch, die Menschen mit Ihren Büchern zu unterhalten – was ist Ihnen beim Schreiben noch wichtig?

 

Mir ist es wichtig, dass Menschen ins Nachdenken kommen. Über Gott und die Welt. Deshalb packe ich gelegentlich wirklich schwierige und auch kontrovers diskutierte Themen an, die ich dann von beiden Seiten zu beleuchten versuche. Besonders wichtig ist mir aber aufzuzeigen, wie im Alltag wieder mehr Menschlichkeit und Nächstenliebe gelebt werden kann, da wir zunehmend auf Leistung und Oberflächlichkeiten gepolt sind – und leider auch auf das Ausfahren der Ellenbogen und sogar auf das bewusste Verteilen von Gemeinheiten. Und darunter leiden die, die sich eine empfindsame Seele, ein sensibles Herz haben bewahren können. Das ist eine sehr ungesunde Entwicklung, die ich mit meinen Möglichkeiten beleuchte. Dabei wünsche ich mir, die Leser ein klein wenig aufzurütteln, ihnen aufzuzeigen, dass ein gelungenes Leben vielmehr durch gegenseitige Akzeptanz, durch aufmerksames Hinschauen, mutiges Ansprechen, das Verschenken von Zeit und Aufmerksamkeit und durch vergebende Liebe möglich ist.

 

 

Und falls Sie uns das zum Schluss noch verraten wollen: Gibt es schon ein nächstes Projekt?

 

Es gibt immer ein nächstes Projekt oder auch zwei … Der nächste zeitgenössische Roman unter dem Namen Elisabeth Büchle ist gerade erschienen. Das nächste Noa C. Walker-Buch entsteht gerade, allerdings weiß ich derzeit noch kein Veröffentlichungsdatum. Vermutlich wird er im Spätherbst 2019 erscheinen.

 

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Die Fragen stellte Inge Frantzen.

 

ELISABETH BÜCHLE

hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und wurde für ihre Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Ihr Markenzeichen ist die Mischung aus gründlich recherchiertem historischen Hintergrund, abwechslungsreicher Handlung und einem guten Schuss Romantik. Unter dem Pseudonym Noa C. Walker hat sie zudem mehrere Romane rund um zeitgenössische Themen veröffentlicht. Ihr neuester historischer Roman „Im Schatten der Vergangenheit“ (Gerth Medien) ist vor wenigen Tagen erschienen.

 

 

www.elisabeth-buechle.de