Zwei 50-jährige Freunde in einer Wohnung. Einer steht am Fenster und sagt: „Schau mal an, da unten läuft die Frau, in die ich total verknallt bin.“ Der andere eilt ebenfalls zum Fenster, schaut runter, und meint: „Blödmann, da läuft doch deine Frau!“ – „Eben.“

Die meisten halten es nicht für möglich, dass man nach vielen Jahren noch so richtig verliebt ist in seinen Ehepartner. Wenn es um Liebesgefühle geht, fühlen wir uns machtlos. Am Anfang sind sie da – oft im Übermaß –, aber nach nicht allzu vielen Jahren scheinen sie sich zu verflüchtigen wie der Duft eines Parfüms.

 

Spannende Studie

Eine Studie (*) hat gezeigt, dass wir unsere Liebesgefühle doch mehr beeinflussen können als gedacht: Die Forscher brachten Probanden in eine gute Stimmung im Blick auf ihren Partner und die gemeinsame Zukunft. Das gelang ihnen unter anderem, indem sie den Probanden Fotos ihres Partners zeigten. Es ließ sich nachweisen: Wer seine positiven Empfindungen für den Partner gezielt verstärkt und wer ihn bewusst „idealisiert“, entwickelt stärkere Liebesgefühle.

Tatsächlich passiert in den meisten Beziehungen ja das Gegenteil: Man nimmt mit der Zeit mehr und mehr Dinge wahr, die einen am anderen stören, und beginnt zu kritisieren, sich zu ärgern, negative Gefühle zu kultivieren. Diese zunehmende Fixierung auf die negativen Seiten tötet nach und nach die Liebe.

 

Gefühle lassen sich „machen“

Die Wissenschaftler sagen, sie hätten nun erstmals nachgewiesen, dass sich Liebesgefühle „machen“ lassen – obwohl fast alle Menschen der Meinung sind, dass sich solche Gefühle nicht kontrollieren ließen. Ein spannender Befund! Man mag es nennen, wie man will: Positives Denken, Romantisierung, Selbstprogrammierung – es hat jedenfalls einen messbaren Effekt. Wir lassen uns nicht von negativen Erfahrungen (die es in jeder Beziehung gibt) niederdrücken, sondern stärken die Stärken unserer Beziehung. Dazu ein paar konkrete Vorschläge:

 

1. Nehmen Sie ein Foto Ihres Partners, das Sie mögen, und schauen Sie es bewusst mit verliebten Augen an. Erinnern Sie sich daran, was Sie schon an Wundervollem und Beglückendem mit diesem Menschen erlebt haben.

2. Danken Sie Ihrem Partner heute für alles, was er oder sie in den letzten Stunden/Tagen für Sie, die Familie, für Ihr gemeinsames Leben gemacht hat.

3. Überraschen Sie Ihren Partner mit einem kleinen Geschenk und der Notiz „Für den Menschen, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte“.

 

Und siehe da: Die Gefühle kehren nicht nur zurück – sie werden stärker! Glauben Sie uns: Man kann auch nach 30 und mehr Ehejahren (wieder) „verknallt“ ineinander sein.

Susanne & Marcus Mockler

sind seit über 30 Jahren verheiratet und Autoren des Ehe-Ratgebers „Das Emma-Prinzip“ (adeo Verlag). Sie halten Vorträge und Seminare zum Thema „Ehe und Familie“. Susanne ist systemische Paartherapeutin mit eigener Praxis und hat einen Bachelor-Abschluss in Psychologie. Marcus ist Journalist und Koautor verschiedener Bestseller (u. a. „Dem Leben Richtung geben“). Die beiden leben mit ihren Kindern auf der Schwäbischen Alb.

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