„Da kamen die Arbeiter des Bauern und sagten: ,Herr, das Feld, auf dem du gutes Saatgut gesät hast, ist voller Unkraut!‘ ,Das hat mein Feind getan!‘, rief der Bauer aus. ,Sollen wir das Unkraut ausreißen‘, fragten die Arbeiter. Er antwortete: ,Nein, wenn ihr das tut, schadet ihr dem Weizen. Lasst beides bis zur Zeit der Ernte wachsen. Dann will ich den Erntehelfern sagen, dass sie das Unkraut heraussammeln und verbrennen sollen. Den Weizen aber sollen sie in die Scheune bringen.‘“

 

Matthäus 13,27–30

 

 

Es gibt ein Unkraut, das nur ein geschultes Auge als solches erkennt: Taumel-Lolch oder auch „Schwindel-Weizen“ genannt. Denn er sieht aus wie Weizen, ist aber keiner. Und so passierte es zu früheren Zeiten häufiger, dass mit Lolch verunreinigtes Mehl in den Handel kam. Wer es verzehrte, litt danach nicht selten an unschönen Vergiftungserscheinungen: Schwindel und Sehstörungen waren die Folge und manchmal kam es sogar zum Tod.

 

Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Kindesmissbrauch, Geldgier und Doppelmoral, Wölfe in Schafspelzen und falsche Propheten – in Geschichte und Gegenwart der christlichen Gemeinde wimmelt es nur so vor giftigen Pflanzen. Vor sich fromm gebärdendem Unkraut, das Gottes guten Samen zu ersticken droht – „Lolch-Glaube“, der echtem Glauben zum Verwechseln ähnlich sieht, aber trotzdem keiner ist, und dessen Verzehr für den Betreffenden tödlich enden kann!

Nicht für immer wird das Böse die Menschen täuschen können, nicht auf ewig wird der „Schwindelweizen“ die gute Nachricht des Evangeliums verunreinigen. Wenn er ausgereift ist, wird jeder erkennen, was er ist!

Wie gerne würden wir solch schädliches Gewächs ausreißen, damit die Menschen endlich sehen, was echtes Christentum ist und was nicht! Umso erstaunlicher ist, dass Jesus seine Nachfolger gerade hier vor überstürztem Handeln warnt. Nicht, weil er das Böse ignoriert. Aber er weiß, dass wir in unserem Eifer für die Wahrheit manchmal nur allzu schnell über die Stränge schlagen. Denn wer blind ist vor (heiliger) Wut, kann das Echte vom Unechten oft nur schwer unterscheiden und läuft Gefahr, zusammen mit dem Bösen auch so manch zarte Pflanze des Guten zu zerstören.

 

Nur Jesus weiß, wann die Zeit reif ist. Und er verspricht: Nicht für immer werden die Lügen des Bösen die Menschen täuschen können, nicht auf ewig wird der religiöse Schwindelweizen die gute Nachricht des Evangeliums verunreinigen. Wenn er ausgereift ist, wird jeder erkennen, was er ist! Der Herr der Ernte wird sich darum kümmern. Und dafür Sorge tragen, dass das Gute den Sieg davonträgt.

 

 

SABINE MÜLLER

ist Gründerin von MINDO und freie Texterin.  

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