Wie heißt’s?

„Nicht mehr schweigen – Der lange Weg queerer Christinnen und Christen zu einem authentischen Leben“

 

 

Wer hat’s geschrieben?

Sie heißen Melanie, Paul, Matthias, Karen, Michael, Danilo, Birgit, Rainer oder Thea und haben eines gemein: Sie alle sind überzeugte Christen – und homo- oder auch transsexuell. Timo Platte, 46, selbst homosexuell und Christ, hat als Herausgeber fungiert und neben seiner eigenen Geschichte 24 weiteren queeren Christinnen und Christen den Raum geschenkt, aus ihrem Leben zu erzählen.

 

 

Wo ist es erschienen?

Pro BUSINESS digital Verlag, 2019, 288 Seiten, EUR 18,95 Euro (Taschenbuch), EUR 12,49 (E-Book)

 

 

Worum geht’s?

Homosexualität in christlichen Kreisen ist ein seit einigen Jahren verstärkt, vor allem aber ein kontrovers diskutiertes Thema. Die Meinungen – und dabei manch verhärtete Front – berufen sich dabei in der Regel ausschließlich auf ihr jeweiliges theologisches Verständnis. Dieses Buch verfolgt einen anderen Ansatz: Es will die persönlichen Geschichten Betroffener sichtbar machen. Dabei erstrecken sich die geschilderten Erlebnisse von Männern und Frauen unterschiedlichen Alters von einigen Jahren bis hin zu jahrzehntelangem Ringen mit ihrer Sexualität.

Immer wieder betont wird der Wunsch danach, dass es in Kirchen und Freikirchen endlich nicht nur zu einem offenen Diskurs hinsichtlich unterschiedlicher theologischer Betrachtungsweisen kommt, sondern auch die Bedürfnisse und Ängste homosexueller Christen in den Blick genommen werden. Wer dieses Buch liest, hat bereits den ersten Schritt getan: Einfach mal zuhören. Denn dieses verbindende Element des Zuhörens schafft zunächst – unabhängig von der individuellen Sichtweise – eine Ebene für echtes Mitgefühl, für ein Sich-in-den-anderen-hineindenken-Können. Daher versteht sich das Buch in erster Linie als Diskussionsgrundlage, der zudem wertvolle Informationen wie Begriffserklärungen, Kontakte und Anlaufstellen beigesteuert werden. Wer vornehmlich nach einer theologischen Einordnung sucht, dem sei die Fülle von Sachbüchern ans Herz gelegt, die es zu dieser Thematik bereits gibt.

 

 

Wie ich es finde.

Das Buch beinhaltet schwerpunktmäßig keine theologischen Abhandlungen, sondern schildert die Erfahrungen homosexuell empfindender Christen. Gemein ist allen Autor*innen dabei, dass sie ihre Homosexualität offen leben und ein Umfeld gefunden haben, in dem das möglich ist: Manche als gläubige Christen, teilweise sogar im gemeindlichen Umfeld, andere wiederum haben ihren Glauben verloren. Trotz des verständlichen Fokus des Buches, hätten mich ergänzend Geschichten von Menschen interessiert, die homosexuell empfinden, ihre Sexualität aufgrund theologischer Überzeugungen jedoch nicht ausleben. Die so entstandene einseitige Beleuchtung des Themas sollte man zumindest im Hinterkopf behalten.

Unter einer wertvollen Kommunikation verstehe ich ein Miteinander- statt ein Übereinander-Reden – und das umso mehr, je weniger ich das Thema auf mich selbst gestellt vollumfänglich erfassen kann. Daher eröffnen mir die vorliegenden Erfahrungsberichte einen neuen Bereich, schaffen mir Zugang zu Emotionen und Erfahrungen, von denen ich wohl gehört, die ich aber in dieser Form nicht selbst erlebt habe. Getroffen hat das Buch mich vor allem dort, wo es um die Angst vor dem Ausgestoßensein und Fallen-gelassen-Werden durch die christliche Gemeinschaft geht. Durch Menschen verursachte Verletzungen an Menschen, die diese nur noch tiefer in eine (Glaubens-)Krise stürzen, bewegen mich sehr. Unabhängig von meinem persönlichen theologischen Verständnis, fühle ich mich dazu aufgerufen, mehr Stütze und Ermutigerin für andere zu sein.

 

 

Wer sollte es lesen?

Alle, die den offenen Austausch über das Thema „Homosexualität und Glaube“ suchen und sich auf die Gefühlswelt und Argumente homosexueller Menschen einlassen wollen (oder es aus den unterschiedlichsten Gründen vielleicht sogar müssen), finden hier einen Zugang zu den Herzen von Betroffenen. Ein Muss für alle, die in der Hitze der Diskussion um eine theologische Standortbestimmung vor allem eins vermeiden wollen: betroffene Glaubensgeschwister aus den Augen zu verlieren.

 

 

MARION WEIL ist als IT-Assistentin sowie in der Spenderbetreuung von „Die Arche – Christliches Kinder- und Jugendwerk e. V.“ tätig.

Das könnte Sie auch interessieren