Wie heißt’s?
Frau Sein
Wer hat’s geschrieben?
Franziska Klein ist Pastorin der Frankfurt City Church. Freiberuflich arbeitet die Theologin als Freundschaftscoach, Autorin und Rednerin.
Worum geht’s?
Was macht Frausein heute aus? Welchen Blick haben wir auf Frauen, welches Ideal wird vermittelt und was löst dieses aus? Franziska Klein setzt sich offen mit ihrer Biografie auseinander und stellt heraus, wie das Frauenbild, das sie geprägt hat, ihr lange Zeit das Gefühl vermittelte, falsch zu sein, zu viel, zu wenig. In dem christlich-konservativen Umfeld, in dem die Autorin sozialisiert wurde, schien Frauen dabei eine klare, gottgewollte Rolle zugewiesen.
Ihr Theologiestudium dann erlebte die Autorin als Empowerment, weil sie entdeckte, wie revolutionär die Lehren von Jesus und Paulus mit Blick auf die Gleichberechtigung der Frau im damaligen patriarchalen Umfeld waren. Gleichzeitig wurde ihr deutlich, wie sehr der männliche Blick auf Frauen sie geprägt hat. Oft sei auch in der Gemeinde die Frau (und ihre Rolle) eher Gegenstand der Debatte denn Diskussionspartnerin. Demgegenüber sehnt sich die Autorin danach, einander zuzuhören, dem jeweiligen Erleben Raum zu geben und ins Gespräch zu kommen.
Franziska Klein beschreibt in ihrem Buch, wie sie ihre Stimme als Frau gefunden hat, geht auf das Verhältnis zum eigenen Körper ein, das oft durch einen (internalisierten) männlichen Blick auf Frauen geprägt ist, schreibt über Sexualität, Scham, Freiheit, Beziehungen, Rollen als Frau, Erlaubnis, Verletzung, Übergriffigkeit, Frau als Ware, Selbstbewusstsein und Schönheit. Zu ihrer eigenen Geschichte zieht die Autorin dabei häufig Studien, Zahlen und Berichte aus ihrer Seelsorge- und Pastorinnenarbeit heran, die ihr Erleben und ihre Erfahrungen auf eine allgemeine Ebene heben.
Wie ich es finde.
Mich hat das Buch gleich gepackt: Es ist wunderbar geschrieben, sehr ehrlich, gut durchdacht, klar, tiefgründig, erschütternd und voller Engagement. Die Autorin bringt durch ihre schonungslose Selbstreflexion und die Studien jene krankmachenden, beschämenden und verunsichernden Muster zum Vorschein, die Frauen auch heute noch in vielen Systemen strukturell begegnen. Besonders in konservativ geprägten. Warum fühlen sich Frauen so oft unsichtbar, haben Angst vor Egoismus, warten innerlich auf Erlaubnis, fühlen sich schuldig oder falsch? Woher kommt die eigene Abwertung, der Körperhass, die Scham, … mit denen sich so viele Frauen quälen?
Durch ihre theologischen Ausführungen habe ich so einige Aha-Momente erlebt, historisch wichtige Einblicke erhalten und wurde neu für den strukturellen Sexismus in vielen Bereichen meines eigenen Lebens sensibilisiert. Franziska Klein hat ihre starke Stimme gefunden und ihr engagiertes Schreiben wird zum Anlass, sich selbst auf den Weg zu machen.
In mir hat das Gelesene auch die Sehnsucht ausgelöst, bewusst danach zu streben, ein Vorbild für junge Mädchen heute zu sein: als Frau, die eine Sprache der Freiheit, des Selbstwerts und der Möglichkeiten gefunden hat und diese verkörpert.
Wer sollte es lesen?
Menschen in Gemeinden, die ein versöhntes, heilsames Miteinander von Frauen und Männern anstreben. Die auf dem Herzen haben, dass alle ihre Gaben füreinander und für diese Welt einsetzen, ob männlich oder weiblich. Menschen, die sich selbst oder die Herausforderungen der anderen Hälfte der Menschheit tiefer verstehen wollen und bereit sind, Strukturen infrage zu stellen, die Frauen krank machen, klein halten und beschämen. Menschen, die von Versöhnung träumen.
Wo ist es erschienen?
Fontis Verlag, 280 Seiten, EUR 22,90 (Klappenbroschur), EUR 19,99 (E-Book)
ANDREA SPECHT ist Autorin und Lektorin und lebt mit ihrer Familie in Potsdam (www.textgehalt.de).