Wie heißt’s?

„Das ganze Ja zum Leben – Christliche Spiritualität der Achtsamkeit“

 

Wer hat’s geschrieben?

Dr. phil. Hans-Arved Willberg, Jahrgang 1955, ist Theologe, Philosoph sowie Sozial- und Verhaltenswissenschaftler. Er leitet das Institut für Seelsorgeausbildung (ISA) und ist selbstständig als Rational-Emotiver Verhaltenstherapeut und Pastoraltherapeut, Trainer, Coach und Dozent mit den Schwerpunkten Burnoutprävention und Paarberatung sowie als Buchautor tätig. Hans-Arved Willberg gehört zum Mitdenker-Team von MINDO und ist Autor der Rubrik „Psychologisches ABC“.

 

Worum geht’s?

Achtsamkeit – bloß der neueste Entspannungstrend unter gestressten Managern, esoterischer Humbug oder doch bereichernde Lebenshilfe? Hans-Arved Willberg beschäftigt sich ausführlich mit den Themen des Stillseins und des Zur-Ruhe-Kommens vor Gott und vor sich selbst und ermutigt zu einem Ganz-da-Sein in der Welt. Die Stärke des Buches ist, dass es nicht fernöstliche Meditationspraktiken mit christlichem Anstrich versieht und zu rechtfertigen sucht. Stattdessen postuliert und begründet es kenntnisreich, warum Achtsamkeitshaltungen und -modelle genuin christlich sind. Christliche Achtsamkeit, so Willberg, ist eine Spiritualität des Natürlichen: Das Heilige liegt im Profanen, Gotteswirklichkeit ist Weltwirklichkeit. Und darum lasse sich logisch folgern, dass wer Gott und die Welt liebt, achtsam lebt. Achtsamkeit ist die ungeteilte Akzeptanz des Gegebenen, das von Gott kommt.

Willberg gelingt es, die Achtsamkeitslehre soziologisch, philosophisch, theologisch und vor allem psychologisch auf soliden Boden zu stellen. Neben der argumentativen Kraft des wissenschaftlichen Begründens und einer fairen Auseinandersetzung, schüttet der Autor ein Füllhorn sehr praktischer Anleitungen in christlicher Lebenskunst über den Lesern aus. Dazu zählen wertvolle seelsorgerliche Tipps wie: „Wie schaffe ich es, mich freundlich anzunehmen, wenn falsche theologische Prägungen gelehrt haben, mich zu hassen?“, „Wie gebe ich mir Empathie?“, „Wie steuere ich ungezähmte Affekte?“ oder auch „Wie übe ich ermutigende Selbstinstruktion, die Abstand zu falschen Glaubensüberzeugungen schafft?“

Das Ziel ist, eine gesunde Spiritualität zu entwickeln, in der Frieden und Freude nicht nur fromme Worthülsen, sondern gelebte Wahrheit sind. In seiner Gründlichkeit und Sorgfalt hebt sich das Buch deutlich von Publikationen des oft oberflächlichen Achtsamkeitskultes ab.

 

Wie ich es finde.

Das Buch ist ein großer Befreiungsschlag für Menschen, die mit fernöstlichen Entspannungstechniken geflirtet und dabei ein schlechtes Gewissen haben. Es sagt, dass Christsein immer schon eine Entscheidung war, achtsam zu leben und dass es lohnt, in Übungen der Achtsamkeit zu investieren.

Mutig ist die Rückgewinnung neuer Gebets- und Seinsweisen für praktizierende Christen. Dabei soll das Ich eben nicht im kosmischen Bewusstsein aufgelöst, sondern gestärkt, versöhnt und hellwach seinen Weg gehen. Und das umso mehr, als dass christlich begründete Achtsamkeit konsequent vom Zuspruch der Rechtfertigung durch Gott lebt und darum auch das Negative und Unverständliche nicht fürchtet. Achtsam zu leben ist allen möglich – egal, welch christlichen Hintergrund man entstammt. Das Buch ist durchdrungen von großer Weite und Gottes Güte zu uns und der Welt. Lesefreundlich sind die Zusammenfassungen am Ende der sieben Kapitel.

 

Wer sollte es lesen?

Menschen, die ihrer Spiritualität eine neue Qualität und Tiefe verleihen wollen. Solche, die innovative Wege suchen, wie sie in ihrem Leben mit Gott Fantasie und eigenverantwortlich interessante Gefäße entdecken möchten. Solche, die sich möglicherweise in ihrem Kopf gut auskennen, aber dabei mehr in ihrem Körper zu Hause sein wollen. Dafür ist der Werkzeugkasten prall voll. Lektionen sind einladend gestaltet und lassen sich sofort anwenden. Die progressive Muskelentspannung etwa oder die ABC-Methode sind alltags- und lebenstauglich. Lesen sollte es der, der anerkennt, dass der Weg zu seelischer Gesundheit nicht über Quickfix-Lösungen führt, sondern im Entwickeln von Überzeugungen, im geduldigen Experimentieren, getragen von Gottes Zusagen. Das Ziel ist dabei immer die Versöhnung mit sich selbst, mit dem Nächsten und der Welt. Hierfür kann das Buch ein echter Meilenstein werden.

 

Wo ist es erschienen?

Butzon & Bercker (Kevelaer), 288 Seiten, gebunden, EUR 22,–

 

 

 

DOROTHEA GEBAUER

ist Leiterin Kommunikation und Pressesprecherin bei „Christian Solidarity International“ (CSI) sowie ehrenamtliche Leiterin des Schweizer Aktionslabors „ChristNet“.

 

 

 

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