Ich lade Sie zu einem Gedankenexperiment ein: Stellen Sie sich vor, Sie unternehmen eine Zeitreise in Ihre persönliche Zukunft. Ein Jahr ist vergangen und Sie müssen erstaunt feststellen, dass sich überhaupt nichts an Ihren Lebensumständen verändert hat. Alles ist beim Alten geblieben: dieselbe Arbeit, die gleichen Sorgen und Ängste, unveränderte Beziehungen, die gleichen Gedanken beim Aufstehen und vor dem Einschlafen.

Wie fühlt sich das für Sie an? Vermutlich begeistert Sie diese Vorstellung überhaupt nicht, ein ganzes Jahr auf der Stelle getreten zu haben, ohne dass sich das Geringste verändert hat. Stillstand wirkt frustrierend. Das Leben scheint wie eingefroren.

 

Und jetzt versuchen Sie sich vorzustellen, dass Sie auf 12 Monate zurückblicken, in denen Sie Weichen gestellt haben für ein dickes Plus an Zufriedenheit. Ihre Arbeit macht Ihnen viel mehr Spaß, Beziehungen haben sich weiterentwickelt. Sie haben Ängste überwunden und einige Probleme gemeistert. Ein lange gehegter Traum hat sich erfüllt. Sie konnten einige Ihrer gesteckten Ziele erreichen.

Wie fühlt sich dieses Zukunftsszenario an? Wahrscheinlich werden Sie kaum mit Bedauern auf das zurückliegende Jahr blicken. Im Gegenteil: Positive Veränderungen haben Ihre Lebensqualität erhöht. Dieser Rückblick stimmt Sie sehr dankbar.

 

Das Morgen aktiv gestalten

Als Homo Sapiens sind wir, anders als die Tiere, in der Lage, die Zukunft gedanklich vorwegzunehmen. Die Fähigkeit, die eigene Zukunft dabei aktiv mitzugestalten, kennzeichnet resiliente Menschen. Sie sehen nach vorne und nutzen ihre Chancen und Möglichkeiten zur Zukunftsgestaltung. Sie verharren nicht im Gestern und kreisen melancholisch um die Vergangenheit. Aber sie machen sich ihre zurückliegenden Erfahrungen nutzbar, um sich auf die Zukunft einzustellen. Sie glauben, dass sie etwas verändern können und stellen die dafür notwendigen Weichen.

 

Resiliente Menschen kreisen nicht melancholisch um die Vergangenheit. Aber sie machen sich ihre zurückliegenden Erfahrungen nutzbar, um sich auf die Zukunft einzustellen.

Zukunftsorientierung fängt im Kopf an. Die Resilienztrainerin Monika Gruhl bringt es auf den Punkt, wenn sie in ihrem Buch „Resilienz“ schreibt: „Auf vieles, was uns in der Zukunft erwartet, haben wir einen Einfluss, der nicht zu unterschätzen ist. Denn abgesehen von nicht steuerbaren Ereignissen bekommen wir in der Regel das, was wir erwarten. Auf der Grundlage unseres Naturells und unserer Erfahrungen bilden wir unbewusste Vorannahmen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Diese spiegeln aber nicht das wider, von dem wir bewusst wollen, dass es passiert, sondern das, von dem wir glauben, dass es passieren wird.“

 

Unsere Art zu denken bestimmt unser zukünftiges Leben. Wer sich Gedanken um seine persönliche Zukunft macht, kann zunächst einmal auf wichtige Erfahrungen im Rucksack der Vergangenheit zurückgreifen: „Was habe ich wie erreicht? Welche Menschen haben mich auf meinem Weg unterstützt? Welche Träume habe ich früher schon realisiert? Wodurch konnte ich mich positiv weiterentwickeln?“

 

Bewältigte Krisen können nutzbar gemacht werden, um sich für neue Lebenserfahrungen zu öffnen. Der Vergangenheitsorientierte wird dagegen seine schmerzlichen Erfahrungen so deuten, dass er für die Zukunft auch nichts Gutes erwartet. Der negative Blick auf die Vergangenheit lässt ihn eher misstrauisch und ängstlich nach vorne schauen.

 

Zukunftsorientierung bedeutet, das eigene Streben auf das auszurichten, was wirklich von Bedeutung ist. Grundlegende Werte dienen dabei als Kompass für den Weg in die Zukunft. Resiliente Menschen sind überzeugt, ihre Zukunft pro-aktiv in die Hand nehmen zu können. Sie agieren, statt immer nur auf äußere Entwicklungen und Umstände zu reagieren.

 

Smarte Zukunftsplanung

Zukunftsmut zeichnet sich dadurch aus, dass Träume und Visionen ernstgenommen werden. Sie verleihen dem Alltag sozusagen Flügel. Nur wer bereit ist loszufliegen, wird auch sein Ziel erreichen können. Zukunftsorientierung schlägt sich praktisch in strategischen Zielsetzungen nieder. Dabei sollten die Ziele SMART ausformuliert werden:

 

S = spezifisch

M = messbar

A = angemessen, attraktiv

R = realistisch

T = terminiert

 

Unter diesen fünf Gesichtspunkten werden Ziele, Träume und Veränderungswünsche auf ihre Tauglichkeit und Überprüfbarkeit abgeklopft.

 

Auf dem Weg zur Zielerreichung liegen einige Stolpersteine, die Bequemlichkeit, Angst oder Woher-soll-ich-die Kraft-dafür-Nehmen? heißen. Resilienz bedeutet, möglichen Hindernissen zu begegnen, indem ich mir klarmache, was für mich wirklich konkurrenzlos wichtig ist und wo hinein ich meine Energie investieren will. Vertrauen in meine Fähigkeiten und Möglichkeiten, der Glaube an Gottes gute Gedanken für meinen Weg und eine optimistische Grundhaltung helfen mir dabei, Ängste zu überwinden.

Es lohnt sich, den eigenen Träumen neu auf die Spur zu kommen und sie zum Beispiel in Gedanken und Bildern zu visualisieren, um sie im Alltag lebendig zu halten. Wer zielorientiert lebt, braucht manchmal einen langen Atem und darf sich nicht von Rückschritten entmutigen lassen.

 

Wer so seine persönliche Zukunft mitgestaltet, wird immer wieder Anlass zum Feiern haben, wenn Veränderungen geschafft oder Ziele erreicht wurden. Dabei fordern kleine und größere Lebensziele immer wieder neu heraus. Als resiliente Fähigkeit lässt sich die Zukunftsorientierung trainieren und weiterentwickeln.

 

Mit Gott Pläne schmieden

Die Fähigkeit der Zukunftsorientierung bildet dabei keinen Widerspruch zum Glauben an Gott. Sie boykottiert auch nicht seine Wege und Pläne für mein persönliches Leben. Sie spiegelt sich vielmehr in einer lebendigen Gottesbeziehung wider. So dienen beispielsweise biblische Grundwerte wie Nächstenliebe, Gemeinschaft oder Dienen, als Zukunftskompass. Wer Christus nachfolgt, will seine Zukunft von ihm her gestalten und sich im Geist des Evangeliums weiterentwickeln.

Zukunftsorientierung geschieht im Reden und Hören auf Gott. Ich schmiede Pläne im Kontakt mit ihm und spüre seinen Zielen für mich nach. Ich erlaube ihm, meine Pläne aber auch durchkreuzen zu dürfen.

Zukunftsorientierung geschieht im Reden und Hören auf Gott. Ich schmiede Pläne im Kontakt mit ihm und spüre seinen Zielen für mich nach. Ich erlaube ihm, meine Pläne auch durchkreuzen zu dürfen wie bei Paulus, der auf seinen Missionsreisen einerseits Pläne schmiedete und sich andererseits der Führung Gottes anvertraute (z. B. 1. Korinther 16,5ff). Wir dürfen und sollen Ziele formulieren, Pläne schmieden und Träume leben, weil wir im Vertrauen auf Gottes Güte leben. Er gibt unserem Leben Zukunft und Hoffnung (Jeremia 29,11).

 

ÜBUNG: Gönnen Sie sich eine stille halbe Stunde, um fünf Ziele für das nächste Jahr zu formulieren. Berücksichtigen Sie dabei die SMART-Formel. Notieren Sie sich alle Bilder, die vor Ihrem inneren Auge zu dem jeweiligen Ziel auftauchen. Wenn Sie beispielsweise Ihre Fitness verbessern wollen, können Sie das Bild eines Sportlers wählen, der für Ihre sportlichen Präferenzen steht. Am Ende Ihres Visualisierungsprozesses haben Sie mindestens fünf Bilder. Diese können Sie als Postkarten oder Bildersammlung zu einer Zukunfts-Collage zusammenstellen und in Ihre Wohnung hängen. So haben Sie Ihre Ziele immer vor Augen.

 

GEBET: „Lieber Gott und Vater, danke, dass meine Zeit in deinen Händen liegt. Ich will im Vertrauen auf dich eine gute Zukunftsperspektive entwickeln und nach lohnenden Zielen Ausschau halten. Gerade weil ich mich heute von dir angenommen und geliebt fühle, will ich mit deiner Rückenstärkung mutig Schritte ins Morgen gehen. Leite mich mit Weisheit, dass ich die mir anvertraute Zeit nutze und die Weichen stelle, die gut für mich und andere sind. Danke, dass du mich auf dem Weg in die Zukunft begleitest, mich auffängst, wenn ich falle und mir alles zum Guten dienen wird. Amen.“

 

Matthias Hipler

betreibt eine Praxis für Psychotherapie, Paartherapie und Coaching in Hanau.

 

www.psychotherapie-hipler.de

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